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Bericht des Kreisjagdmeisters April 2020

1.    Allgemeines, Bestandsentwicklungen, ...

Coronabedingt sind leider die meisten HR-Veranstaltungen ausgefallen und auch die der Hegegemeinschaften. Dort wurden die Altersbewertungen durchgeführt, jedoch keine Trophäenbewertungen. Zumindest auf der Ebene der Hegeringe rege ich eine Wiederholung an, da die Veranstaltung auch dem Austausch und dem Kennenlernen dient. 


Die Kreisjagdbeiratssitzung fand erstmals im schriftlichen Umlaufverfahren mit all seinen Schwierigkeiten statt. Auch hier konnte natürlich eine Diskussion und Beratung nicht stattfinden. Es wurde versucht, vieles im Telefonverfahren zu koordinieren, was nicht immer gelingt. Aus verwaltungsrechtlichen Gründen waren bestimmte Mindestbeschlüsse für die sog. Mindestabschusspläne zu fassen, was im Ergebnis erfolge. Ich bitte dafür allseits um Verständnis und danke insbesondere der Kreisverwaltung, die die Sache praktikabel gehandhabt hat. 

Die Bestandsentwicklung des bejagbaren Wildes verlief auch im letzten Jahr sehr unterschiedlich. Beim Rotwild setzt sich der Abwärtstrend der letzten Jahre fort (1551, Vorjahre 1634 bzw 1725), allerdings immer auf hohem Niveau. Die Erfüllungsquote beträgt damit incl. Freigebiet bei über 100%.  Ich möchte nochmals darauf hinweisen, dass in den Freigebieten  zum Schutze des Genpools nur Hirsche  bis zu einem Alter von drei Jahre erlegt werden dürfen. Der Kreisverwaltung werden immer wieder Hinweise auf Verstöße gemeldet, denen auch nachgegangen wird. 
Beim Muffelwild konnte eine Abschusserfüllung von über 234% (incl. Freigebiete, wobei der Anteil der Freigebiete bei fast 75% liegt) erreicht werden, Abgang 169, Vorjahre 173 bzw 171.
Die Bemühungen, dass der tatsächliche Verbreitungsraum des Wildes den vom Gesetzgeber vorgesehenen Reservaten entspricht, wurden fortgesetzt. Die vom Gesetzgeber aufgestellten Hürden für eine Flächenanpassung (Zustimmung der Jagdrechtsinhaber und der Ausübungsberechtigten) erweisen sich dabei als unpraktikabel. Durch den Flächentausch zwischen dem Land und der Gemeinde Kesseling ist hier jedoch etwas Bewegung entstanden. In den Gebieten um Schalkenbach ist seit Jahren kein Muffel mehr zur Strecke gekommen, Gebiete bei Kesseling weisen dagegen stabile Bestände auf. Die Reviere Ahrweiler haben dem Vernehmen nach kein Interesse an einem Beitritt, hier ist eine Anpassung für das Muffelgebiet vorgesehen, beim Rotwild wird nun eine kleine Lösung angestrebt.  
Beim Schwarzwild (Abgang 5690, Vorjahre 3198, 5810) hat sich die Strecke, die sich von 2018 auf 2019 fast halbiert hatte, wieder auf das bisherige Niveau  eingestellt, es konnte das zweithöchste Ergebnis im Kreis Ahrweiler erreicht werden. Dazu zunächst einmal allen Beteiligten für ihren Einsatz meinen Dank. 
Was sind die Gründe? Zum einen die extrem milden Wetterverhältnisse, vor allen im Frühjahr. Dies war im vergangenen Jahr bereits absehbar und dementsprechend wurde die Streckenentwicklung auch angekündigt. Das Wetter hat auf den Zuwachs beim Schwarzwild eine nicht zu unterschätzende Bedeutung. Ich erwarte daher auch für das kommende Jagdjahr eine hohe Strecke. 

Das trockene Frühjahr bringt harte Böden mit sich und daher auch geringe Wiesenschäden von Schwarzwild. Insgesamt gab es auch im abgelaufenen Jahr keine größeren Beanstandungen über Wildschäden in der Land- und Forstwirtschaft.

Beim Rehwild lag der Gesamtabgang wiederum über dem sehr hohen Vorjahr, (3922, Vorjahre 4052 und 3994), die Abschusserfüllung auf gleichem Niveau wie im Vorjahr (Quote = 90,1%). Diese hohe Strecke hätte vom 10 Jahren niemand für möglich gehalten. Sie ist m.E. auch darauf zurückzuführen, dass in einigen Rotwildjagden, die kaum Rehwild kannten, nun ein bejagbares Vorkommen zu verzeichnen ist. 
Der Kreis besitzt kein Damwildhegegebiet. 
Die Bestände beim Schalenwild befinden sich daher auf einem guten Niveau, eine Bejagung ist in Zukunft nicht nur möglich, sondern nötig. Die Landschaften des Kreises weisen für diese Wildarten nachhaltig gute Voraussetzung und Biotope aus. Teilweise sind aus landeskulturellen Gründen eine Zuwachsbegrenzung und auch eine Reduzierung gefragt. Allen sei gedankt, die hierzu tatkräftig einen Beitrag geleistet haben. 
Die Anzahl der sog. MAP-Reviere, also von Gebieten, in denen das waldbauliche Betriebsziel als erheblich gefährdet beschrieben wird, ist im vergangenen Jahr beim Rotwild gestiegen (Kempenich), im Bereich des Rehwildes ebenfalls (Wershofen). Es ist weiter empfehlenswert, das Gespräch mit den Eigentümern und den Forstbeamten zu suchen, um hier frühzeitig Erkenntnisse zu gewinnen. Ich persönlich bin immer wieder erstaunt, was hier wortlos hingenommen wird, anstatt gemeinsam insbesondere mit dem Forst initiativ zu werden und nach Lösungen zu suchen. Es ist heute wissenschaftlichen nachgewiesen, dass alleine der Abschuss regelmäßig nicht zu dem gewünschten Ergebnis führt. 
Wir befinden uns hier im Bereich der Forstwirtschaft in einem Paradigmenwechsel. Allen Akteuren ist bewusst, dass es so nicht weitergehen kann. Die bisherige Idee der Profitmaximierung in der Forst-„Wirtschaft“ lässt sich auf Dauer nicht aufrechterhalten, obwohl gerade die Privatforsten um neue Subventionen, die in den letzten Jahren bereits im Milliardenbereich gewährt wurden, feilschen. Die Einflussnahmen der Interessengruppen sind mannigfaltig: Ökowald, Kurwald u.ä. werden angestrebt bis hin zum klassischen profitorientierten Forstbetrieb (Wirtschaftswald).  Dazwischen befinden sich die Förster mit ihren persönlichen Sorgen, die Jäger, der Tourismus und andere. „Schuld“ an der Misere sind sicher nicht die heute handelnden Akteure, sondern der Klimawandel, also höhere Gewalt. Eine Auseinandersetzung mit forstlichen und gesellschaftlichen Fehlplanungen (Stichwort: Breite Öffnung des Waldes, z.B. für EBikes) ist nicht erwünscht. Ich befürchte, dass die Zeiten rauer werden. Dies zeigt auch der Umgang der Oberen Jagdbehörde mit der Aufhebung von Schonzeit vom März diesen Jahres: Die Obere Jagdbehörde hatte für die Regiejagden des Landes eine Aufhebung der Schonzeit für alles „Schmalwild“ ab dem 16.4.2020 angeordnet,  Anfragen in diesem Zusammenhang wurden nicht antwortet, Expertenempfehlungen blieben ohne Ergebnis. Sodann wurde ohne weitere Information per Internet-Seite die Verkürzung der Schonzeit ohne Prüfung für alle propagiert.
Was heisst dies für uns: 
Mit dem Blick in die Vergangenheit wird man idR schlauer, Verantwortlichkeiten werden erkannt. Für das „Geschäft“ mit unserem Wild ist dies interessant und sollte auch nicht vergessen werden, es bringt uns aber idR nicht weiter. Suchen Sie daher selbst den Kontakt zu den Verantwortlichen vor Ort, bringen Sie sich ein. Wir sollten versuchen,  keine neuen Gräben aufzureissen. Letztlich ist es das Ziel der Jäger als Naturschützer, eine stabile Bestockung des Waldes zu haben. Was wir jetzt brauchen sind dauerhafte Jagdschneisen bei Neuaufforstungen oder  Naturverjüngung, Anlage von Wildäsungsflächen auf abgestockten Flächen und andere Maßnahmen. Auch der Grundstückseigentümer ist der Hege verpflichtet. 

ASP
Ein Beitrag der Jägerschaft wird das Monitoring bleiben und die zahlenmäßige Kontrolle der Bestände durch Bejagung. Bleiben Sie also, wie in den Vorjahren, dran, beginnen Sie die Planungen für Gesellschaftsjagden früh. Revierübergreifende Jagden können zu größeren Erfolgen führen. Abstauberbeteiligungen  sind dabei nicht kameradschafts- und vertrauensfördend, sondern unsolidarisch. Leider lässt die Politik die gesellschaftlichen Gruppen, die bei einem Eintritt der ASP am meisten leiden, nämlich die Landwirte, im Stich. Nach mehr als 15 Jahren Einschränkung durch die sog. KirrungsVO hat sich herausgestellt, dass diese Verbote und Gängelungen nicht zu einem Absinken der Bestände geführt haben, ganz im Gegenteil. Die Kirrungsjagd beschert stetige Strecken und ermöglich ein sicheres Ansprechen. Wer diese höchst effektive Jagdart einschränkt oder erschwert und sich auf Drückjagden verlässt, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, nicht alles zu tun, um den Bestand zu kontrollieren. 
Umgekehrt hat man den Eindruck, dass die strafrechtliche Verfolgung des Einsatzes von Nachtsichtzielregeräten nicht auf der Prioritätenliste steht. Sehenden Auges lässt der Staat den Handel und nun auch den Besitz zu, ohne an die Folgewirkungen zu denken. 

Weiterhin schlecht sieht es beim Niederwild aus. Statistisch gesehen wurden auf einen Feldhasen im letzten Jahr ca. 80 Wildschweine erlegt.
Im Einzelnen: Baumarder 3, Steinmarder 27, Dachse 171. Füchse 490, Waschbären 13, Hasen 76, Kanin 63, Enten 150, Gänse 76, Tauben 149, Fasanen 13, Schnepfen 2, Elstern 92, Krähen 289. Vielen Jägern ist dafür zu danken, auf eine Jagd von Hasen, Rebhühnern und Fasanen vorerst und weiterhin zu verzichten. 

2.    Jungjäger 
Im letzten Jahr haben vor dem Prüfungsausschuss des Kreises 12 Jungjäger die Prüfung erfolgreich absolviert. Ich möchte dazu nochmals unseren Glückwunsch aussprechen. Ich würde Sie bitten, diese Jungjäger, deren Anschriften im Jagd und Jäger angegeben worden sind, Gelegenheit zu geben, das Gelernte auch einsetzen zu kommen.  
Die diesjährige Prüfung kommt wegen der RechtsVO zur Corona nicht in Gang: Die Bengenheide als Schießplatz ist gesperrt, die Schießprüfung konnte nicht wie vorgesehen durchgeführt werden. Die schriftliche Prüfung soll im Mai stattfinden, wie es weiter geht, ist bei Redaktionsschluss unklar. 
3.    Jagdverpachtungen 
Die Jagdverpachtungen verliefen bis auf wenige Ausnahmen unproblematisch, d.h. die Nachfrage ist nach wie vor ausreichend, die Angebote abzudecken. Es gab eigentlich kaum Schwierigkeiten, auch die neue Umsatzsteuerpflicht scheint in der Praxis keine Probleme zu bereiten. 

4.    Runder Tisch Schwarzwild
Der Runde Tisch hat im vergangenen Jahr getagt ohne neue Erkenntnisse. Im  Kreis herrschen zum Glück nach Auffassung aller Beteiligter keine Probleme, deren Lösung einer Mithilfe von dritter Seite bedürfen. Im übrigen besteht Einigkeit darin, dass der Runde Tisch nur Empfehlungen geben kann, die bereits bekannt sind. Eine Absenkung der Hundesteuer, wie in dem Papier der Landesregierung angeregt, erfolgt nicht und ist auch soweit erkennbar nicht vorgesehen. Die KirrVO, die das effektive Bejagen der Sauen erschwert, bleibt unverändert. 

5. Unrat im Walde
Bei der Kreisjagdbeiratssitzung wurde nochmals das Thema Unrat in Feld und Wald, insbesondere von nicht mehr funktionierenden Schutzzäunen, aufgeworfen. Dazu gehören auch das unzulässige Beseitigen von Hecken, Streuobstwiesen und anderem. Bitte melden Sie diese Dinge mir, unserer Kreisgruppe oder der Umweltbehörde bei der Kreisverwaltung, auf Wunsch auch anonym. Im Regelfall kann so eine Abhilfe erreicht werden, die unserer Natur gut tut. 

Dr. Schuck, KJM

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